Schwingen - Kurz und Knapp erklärt

Schwingen, auch Hosenlupf genannt ist eine in der Schweiz beliebte Variante des Freistilringens, die auf Sägemehl ausgeübt wird.
Schwingen gilt als verbreiteter Schweizer Nationalsport und erfreut sich grosser Beliebtheit.

Regeln

Ein Kampf beim Schwingen wird «Gang» genannt und dauert üblicherweise zwischen 4 und 6 Minuten. Gekämpft wird auf einer kreisförmigen, mit Sägemehl gepolsterten Fläche. Die zwei Gegner tragen über ihren Kleidern eine kurze, aus Zwilch gearbeitete Hose.

Die beiden Kontrahenten geben sich, aus Respekt gegenüber ihrem Gegner, zuerst die Hand und greifen sich dann an die sogenannte Schwingerhose und versuchen den Gegner durch das Anbringen von Schwüngen auf den Rücken zu zwingen.
Der Sieg ist gültig,wenn der überlegene Schwinger den Unterlegenen mit mindestens einer Hand an der Schwinghose festhält und der Unterlegene den Boden mit beiden Schulterblättern oder mindestens zwei Dritteln des Rückens berührt.
Gibt's bis zum Ablauf der Gangdauer keinen Sieger, wird der Gang als «gestellt» und somit unentschieden bewertet.

Gewichtsklassen gibt es keine. Nicht erlaubt sind Halsgriffe, Kopfstösse oder der Druckaufbau durch Hebelwirkung gegen Gelenke. Bei Unterbrüchen wird die Zeit angehalten.

Nach der Entscheidung wischt der Sieger dem Verlierer als Ausdruck der Fairness das Sägemehl vom Rücken.

Notengebung

Der Sieger wird von einem Platzkampfrichter im Sägemehl und zwei Kampfrichtern am Tisch geleitet und anschliessend bewertet. Pro Gang werden dem Sieger und dem Verlierer Noten verteilt. Dabei wird die Notenskala 8,25 bis 10,00 verwendet. Der Schwinger mit der höchsten Gesamtpunktzahl nach 6 Gängen wird am Ende Festsieger.

10.00 Punkte: Sieg und Plattwurf
9.75 Punkte: Sieg mit Überdrücken
9.00 Punkte: Gestellt (unentschieden) bei attraktivem Kampf
8.75 Punkte: Gestellt bei unattraktivem Kampf
8.75 Punkte: Verloren, aber stark gekämpft und viel riskiert
8.50 Punkte: Verloren ohne guten Angriff oder Chance

Für diverse Vergehen wie Passivität, absichtliche Verzögerungen oder gefährliche Griffe kann der Kampfrichter dem Schwinger eine Viertelnote abziehen.

Die Einteilung

Vor einem Schwingfest ist kein Spielplan erhältlich, wie dies beispielsweise bei einem Tennisturnier der Fall ist. Es gibt also keine Auslosung, stattdessen bestimmt das Kampfgericht die Einteilung der insgesamt sechs Gänge.

Vor dem Wettkampf wird allerdings nur der erste Gang eingeteilt. Die Einteilung erfolgt nach der Qualifikation der Athleten, oft lässt man dabei die aktuell stärksten Schwinger gegeneinander antreten. Danach erfolgt die Einteilung der Gänge anhand der bereits erhaltenen Punktzahl.

Die Rangverkündigung und der Gabentempel

Die Rangverkündigung findet traditionell mit einer Zeremonie statt. Die besten Schwinger eines Fests (üblich die besten 15 Prozent) erhalten einen Eichenlaub-Kranz und dürfen sich Kranzschwinger nennen. Es ist das primäre Ziel eines Schwingers.
Diese besagten Kränze werden von den Ehrendamen den Schwingern aufgesetzt. Anschliessend dürfen sich die Schwinger der Reihe nach in den Gabentempel begeben.

Schwinger erhalten keine Preisgelder, sondern können sich im Gabentempel bedienen.

In den meisten Fällen bestehen die Gabentempel aus Sachpreisen (Bargeld, Gutscheine, Fahrräder, Skier, Elektrogeräte, Haushaltsgeräte, Elektronikartikel) und traditionellen Ehrengaben (Stabellen, Glocken, Treicheln, Uhren). 

An allen grösseren Festen werden die ersten Ränge mit Lebendpreisen (Muni, Rind, Pferd) ausgezeichnet.